Handelskammer-Konjunkturreport zum Jahresbeginn 2017: Konjunkturboom bei Dienstleistern / Risiken für den Groß- und Außenhandel

(PM 08-2017, 14.02.2017) Die Wirtschaft im Land Bremen zeigt aktuell ein stabiles Geschäftsklima. Allerdings bewerten Bremer Unternehmen ihre konjunkturelle Lage deutlich positiver als Betriebe in Bremerhaven – so das Ergebnis des Konjunkturreports der Handelskammer Bremen – IHK für Bremen und Bremerhaven zum Jahresbeginn 2017, für den die Kammer Angaben von 409 Betrieben aus Produzierendem Gewerbe, Handel und Dienstleistungen ausgewertet hat.
Dr. Matthias Fonger, Hauptgeschäftsführer der Handelskammer Bremen, sagte: „Die Geschäftserwartungen haben sich wieder etwas verbessert. Im Herbst 2016 haben internationale politische Entwicklungen wie der Brexit, die Unruhen in der Türkei oder die Wahl des neuen US-Präsidenten für Verunsicherung gesorgt. Zum Jahreswechsel sehen die Unternehmen möglichen Auswirkungen auf die bremische Wirtschaft wieder etwas gelassener entgegen. Insgesamt wird im Jahr 2017 mit einer gleichbleibenden Geschäftslage gerechnet.“ Allerdings erfolgte die Handelskammer-Befragung vor den ersten Amtshandlungen von US-Präsident Trump.
Im Vergleich zum Herbst hat sich der Handelskammer-Konjunkturindikator um fünf Punkte auf 111 Punkte verbessert. Das insgesamt gute Geschäftsklima auf Landesebene wird vor allem durch die Wirtschaft in der Stadt Bremen getragen. Die Unternehmen in der Hansestadt bewerten die aktuelle Lage überwiegend positiv und rechnen auch in den kommenden Monaten mit gleichbleibenden oder leicht verbesserten Geschäften. Überdurchschnittlich zufrieden sind die Dienstleister sowie das Baugewerbe.
In Bremerhaven hat sich das Geschäftsklima etwas abgekühlt. In der Seestadt wird die aktuelle Lage neutral, die Entwicklung der nächsten Monate leicht negativ eingeschätzt. Dr. Fonger erklärte: „Die Entwicklungen in der Offshore-Energie und im Schiffbau, gepaart mit den außenwirtschaftlichen Risiken, dürften zur Eintrübung beigetragen haben.“
Die größten Risiken für die Geschäftsentwicklung sowohl in Bremen als auch in Bremerhaven sind die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen und der Mangel an geeigneten Fachkräften. Leicht verbessert hat sich das Investitionsklima im Land Bremen. Auch mit einem verstärkten Auslandsengagement ist 2017 zu rechnen. Rund 60 Prozent der befragten Unternehmen haben im vergangenen Jahr im Ausland investiert oder planen, dies zu tun.
Zu den Branchen im Einzelnen:
Das Geschäftsklima der Industrie im Land Bremen hat sich stabilisiert. 32 Prozent der Unternehmen bewerten ihre Geschäftslage positiv, 10 Prozent eher negativ. Die Betriebe sehen die Geschäftsentwicklung für 2017 zuversichtlicher als noch im vergangenen Herbst. Positive Rückmeldungen kommen besonders von der Elektroindustrie sowie von den Investitionsgüterherstellern. Der Industrie-Indikator steigt um 13 auf 115 Punkte und liegt damit auf dem durchschnittlichen Niveau der vergangenen zehn Jahre. Nach dem kräftigen Wachstum der Industriebeschäftigung im Land Bremen im Jahr 2016 planen die Unternehmen 2017 eher mit rückläufigen Mitarbeiterzahlen.
Die Bauwirtschaft meldet eine anhaltend gute Konjunktur, obwohl die Beurteilung der aktuellen Lage etwas weniger positiv als im Herbst ausfällt. Der Konjunkturindikator liegt mit 116 Punkten weiterhin deutlich über dem zehnjährigen Durchschnitt von 93 Punkten. Die Unternehmen im Grundstücks- und Wohnungswesen haben ebenfalls Hochkonjunktur. Ihre Ertragslage hat sich weiter verbessert.
Gute Geschäfte meldet auch der Einzelhandel. Der Konjunkturindikator ist um 18 auf 119 Punkte gestiegen (Durchschnitt: 108 Punkte). Umsatz und Ertragslage werden überwiegend positiv bewertet. Einzelne Händler spüren, dass wieder mehr auf Qualität gesetzt wird. Allerdings wird die Verbesserung des Geschäftsklimas von der Stadt Bremen getrieben. In Bremerhaven schätzen die Einzelhändler Geschäftslage und -entwicklung überwiegend negativ ein. Einzelne stadtbremische Händler beklagen ein fehlendes Konzept für die Innenstadtentwicklung.
Der Groß- und Außenhandel bewertet seine gegenwärtige Geschäftslage neutral. Die Geschäftsaussichten sind erneut leicht gedämpft. Hierfür dürften die zunehmenden Risiken durch drohende Handelshemmnisse mit ausschlaggebend sein – besonders für die Im- und Exporteure. In Bremerhaven sinkt der Konjunkturklimaindex auf 69 Punkte (Land Bremen: 95 Punkte).
Einen Konjunkturboom gibt es in den Dienstleistungen. Die Unternehmen melden eine bessere Ertragslage und mehr Auftragseingänge. Auch die Erwartungen an die Geschäftsentwicklung im Jahr 2017 sehen die Unternehmen überwiegend positiv – allen voran die Firmen in der Stadt Bremen. Der Konjunkturindikator notiert mit 139 Punkten deutlich über dem zehnjährigen Mittelwert (128 Punkte). Auch in Bremerhaven liegt das Geschäftsklima mit 122 Punkten über dem Durchschnitt (114 Punkte). In beiden Städten wollen die Betriebe mehr Personal einstellen und mehr investieren. Einzelne Dienstleister nennen die voranschreitende Digitalisierung als Geschäftschance.
Nach der Eintrübung im Herbst hat sich das Geschäftsklima der Verkehrs- und Logistikwirtschaft wieder etwas erholt. Die Geschäftsaussichten werden im Durchschnitt leicht negativ bis neutral beurteilt. Der Konjunkturindex liegt für die Stadt Bremen bei 100 Punkten, für Bremerhaven bei 104 Punkten.
Das Gastgewerbe bewertet seine aktuelle Geschäftslage weiterhin überwiegend positiv. Allerdings rechnen Hoteliers und Gastronomen eher mit einer schlechteren Geschäftsentwicklung in 2017.
Im Kreditgewerbe sind Geschäftslage und Aussichten zwar weniger kritisch als im vorangegangenen Quartal. Die andauernde Niedrigzinsphase sowie die zunehmende Regulierung belasten aber weiterhin das klassische Kreditgeschäft.