Handelskammer-Konjunkturreport zum Frühjahr 2017: Geschäftsklima im Land Bremen im Aufwind

(PM 22-2017, 12.05.2017) Rund ein Drittel aller Unternehmen im Land Bremen beurteilen ihre aktuelle Geschäftslage als gut, weitere 60 Prozent sind zufrieden, weniger als jedes zehnte hält sie für schlecht. So lautet die Einschätzung von 374 Betrieben aus Produzierendem Gewerbe, Handel und Dienstleistungen bei der Konjunkturumfrage der Handelskammer Bremen – IHK für Bremen und Bremerhaven zum Frühjahr 2017. Während das Geschäftsklima in der Stadt Bremen erstmals seit etwas über einem Jahr überdurchschnittlich gut bewertet wird, bleibt es in Bremerhaven allerdings weiter eingetrübt.
Dr. Matthias Fonger, Hauptgeschäftsführer der Handelskammer, sagte: „Wir beobachten in unserer Quartalsumfrage zum zweiten Mal in Folge eine Verbesserung des Geschäftsklimas im Land Bremen. Im Zehn-Jahres-Vergleich liegt die Wirtschaft auf leicht überdurchschnittlichem Niveau.“ Der Handelskammer-Konjunkturindikator steigt auf 116 Punkte und liegt damit über dem langjährigen Durchschnitt von 113 Punkten. Mit der aktuellen Geschäftslage sind besonders die Dienstleister sowie die Unternehmen im Baugewerbe zufrieden.
Dr. Fonger mahnte: „Allerdings sorgt eine Vielzahl wirtschaftlicher und politischer Risiken innerhalb und außerhalb Europas nach wie vor für Verunsicherung.“ Die Unternehmen befürchten, dass im Zuge protektionistischer Tendenzen innerhalb Europas und durch die USA Handelshemmnisse aufgebaut werden. Sie bemängeln außerdem zunehmende bürokratische Belastungen. Häufiger als zum Jahreswechsel wurde der Fachkräftemangel als Geschäftsrisiko eingestuft.
Während der Geschäftsklimaindex in Bremen auf 119 Punkte und damit über den zehnjährigen Vergleichswert von 115 Punkten klettert, liegt er in Bremerhaven mit 100 Punkten weiter auf deutlich niedrigerem Niveau. Allerdings bewerten die Bremerhavener Betriebe nach der deutlichen Verschlechterung des Geschäftsklimas im Vorquartal die aktuelle Geschäftslage und die Aussichten wieder etwas besser.
Zu den Branchen im Einzelnen:
Die Industrie im Land Bremen hat sich seit dem Jahreswechsel positiv entwickelt. Die Betriebe erwarten aber im Laufe des Jahres eher einen leichten Rückgang der Geschäfte. Insgesamt liegt das Geschäftsklima auf unterdurchschnittlichem Niveau. Allerdings entwickeln sich Bremen und Bremerhaven gegensätzlich: Während sich in der Hansestadt abzeichnet, dass die Konjunktur nachlässt, ist in der Seestadt eine Verbesserung zu erwarten. Dort hat sich die Industriekonjunktur nach den negativen Botschaften für die Offshore-Industrie und den Schiffbau im Jahr 2016 leicht erholt.
Der konjunkturelle Höhenflug des Baugewerbes hält an. Die Unternehmen verzeichnen einen deutlichen Zuwachs an Aufträgen. Auch die Ertragslage hat sich leicht verbessert. Die große Mehrheit der Befragten, 83 Prozent, rechnet damit, dass die gute Lage in den kommenden zwölf Monaten Bestand haben wird. Auch die Immobilienwirtschaft meldet positive Geschäftsaussichten.
Der Konjunkturindikator des bremischen Einzelhandels sinkt auf 110 Punkte und liegt nur noch knapp über den zehnjährigen Durchschnittswert von 108 Punkten. Die befragten Einzelhändler spüren, dass die Konsumneigung zurückgeht. Ihre Erwartungen bleiben aber positiv. Insgesamt fällt die Bewertung der stadtbremischen Einzelhändler besser aus als die der Händler in der Seestadt.
Der Groß- und Außenhandel meldet insgesamt ein besseres Geschäftsklima als zum Jahreswechsel. Auf die Personalplanungen wirkt sich das allerdings noch nicht positiv aus. Die Investitionen könnten dagegen kräftig ansteigen. In den Branchenzweigen fallen die Bewertungen unterschiedlich aus: Die Binnenhändler melden eine positive Entwicklung des Geschäftsklimas. Die Stimmung bei den Im- und Exporteuren ist deutlich getrübt.
Die Verkehrs- und Logistikwirtschaft ist im Aufwind. Die leichte Klimaaufhellung des vorangegangenen Quartals hat sich noch einmal verstärkt. Die Ertragslage hat sich im Vergleich zum Jahreswechsel etwas stabilisiert, zudem rechnet die Branche mit weiter steigenden Umsätzen. Hierzu trägt ein positiver Preistrend bei Beförderungs- und Logistikleistungen bei.
Das Gastgewerbe bewertet seine Geschäftslage überwiegend positiv. Allerdings zeigen sich in der Gastronomie Anzeichen für schlechtere Erträge. Als Geschäftsrisiken werden der Anstieg der Arbeitskosten und der Fachkräftemangel genannt. Aber es wird in der Branche mehr investiert.
Das Geschäftsklima im Kreditgewerbe hat sich zum zweiten Mal in Folge verbessert, bleibt insgesamt aber eingetrübt. Neben der zunehmenden Regulatorik wird die trotz abnehmender Deflationsgefahr fortgeführte Niedrigzinspolitik kritisiert. Der Handelskammer-Konjunkturindikator notiert mit 100 Punkten immer noch unter dem Zehn-Jahres-Vergleichswert von 110 Punkten.
Die Dienstleistungswirtschaft in der Stadt Bremen meldet ein weiterhin gutes Geschäftsklima. Sowohl die Geschäftslage als auch die Aussichten sind positiv. Die Ertragslage hat sich im ersten Quartal 2017 leicht verbessert. In Bremerhaven ist diese dagegen rückläufig. Der Geschäftsklimaindex in Bremerhaven liegt mit 111 Punkten im Zehnjahresvergleich (114 Punkte) nunmehr auf leicht unterdurchschnittlichem Niveau. Unverändert ist aber, dass die Betriebe sowohl in der Stadt Bremen als auch in Bremerhaven Personal einstellen und investieren wollen.