Chinesisch denken

Kommentar von Eduard Dubbers-Albrecht, Vizepräses der Handelskammer Bremen


Es ist ein gigantisches Vorhaben: Chinas Regierung will ein umfassendes Infrastrukturnetzwerk über Zentralasien bis nach Europa schaffen. Die "neue Seidenstraße" soll auf Schienen und Seewegen, durch Pipelines und Telekommunikation neue Wirtschaftsräume erschließen. Und Bremen? Kann der Stadtstaat, der mehr als jeden zweiten Euro aus dem Exportgeschäft erwirtschaftet, auch von dieser Route profitieren?
China plant mit dem Projekt seine Zukunft: den Umschwung vom Billigproduktionsland zum hochindustrialisierten Innovationsstandort. Und mehr noch, es will die internationalen Beziehungen hin zu einer multipolaren Weltordnung aktiv mitgestalten. Noch gibt es weder institutionellen Rahmen noch Zeitplan. Dennoch sollte sich auch Bremen damit beschäftigen, ob es Teil der Route werden könnte. Denn möglicherweise bahnt sich mit dem ambitionierten Projekt eine Neuordnung der Handelswege und –beziehungen zwischen Europa und Asien an.
Denken wir ein wenig chinesisch: Ein Exportstandort, an dem Arbeitsplätze und Wirtschaftskraft vom Außenhandel abhängen, muss dafür sorgen, dass – auch angesichts von krisenhaften Situationen in manchen Ländern – Zugänge in wichtige Wirtschaftsregionen gewährleistet bleiben. Wir müssen vor Ort auf uns aufmerksam machen. Bremen ist ein großartiger Logistikstandort mitten in Europa, es gibt hier reichlich Kreativität und Exzellenz, wir reagieren schnell und flexibel.
Wir sind durchaus so gut, dass wir im Wettbewerb mit anderen Welthandelsplätzen wie Hamburg oder Rotterdam bestehen können. Lassen Sie uns das beweisen! Gehen wir es an!
Jeden Monat stellt die Handelskammer-Zeitschrift "Wirtschaft in Bremen und Bremerhaven" ein aktuelles Thema zur Diskussion. Den Kommentar finden Sie immer auch an dieser Stelle.